The Musical Box

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spocintosh
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Ungelesener Beitrag von spocintosh » 10. Nov 2019, 06:04

Um nochmal auf den Sound in HH zurück zu kommen...
Nur weil ich so lustige Dinge immer nich lassen kann, hab ich wie immer interessehalber ja Messungen gemacht... :pfeif:
Ich fang mal an mit der Messung vom Samstag in Saal 4 in Brumath:

Bild

Jetz kann sicher nicht jeder das aus dem Stand interpretieren, aber das Bild zeigt genau die frequenzmäßige Energieverteilung wie sie bei Musik zu erwarten ist. Schön gleichmäßig zu hohen Frequenzen hin abfallend, ohne dass irgendwelche Frequenzbereiche nennenswert mehr oder weniger vorhanden, also zu laut oder zu leise sind.

Hier die Messung vom letzten Sonntag bei TMB:

Bild

Nicht nur gibt es deutliche Ausreißer nach oben im Mittenbereich, man kann auch deutlich sehen, dass unter 150Hz schlicht nichts mehr da war.
Und genau so klang das auch. Das ist eine Vollkatastrophe und völlige Zumutung. Da hat irgendwas oder irgendjemand richtigen Mist gebaut.
(Die Über-Alles Lautstärken sind hier nicht vergleichbar, weil ich das Gerät im Kino nicht so lange leuchten lassen wollte. In echt war's da drin bestimmt noch 3dB lauter als hier angezeigt wird.)

Und ja, das ist nur 'ne iPhone-App, aber da ich sowas auch in geeicht vorliegen habe, hab ich mir genau die App auf's Telefon geladen, die ich anhand meines Referenzgeräts kalibrieren konnte. Die ist in diesem Fall also für den privaten Gebrauch hinreichend (±2dB) genau, wenn auch nicht behördlich zulässig.



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MartinC
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Ungelesener Beitrag von MartinC » 10. Nov 2019, 09:47

spocintosh hat geschrieben:
10. Nov 2019, 06:04
Die ist in diesem Fall also für den privaten Gebrauch hinreichend (±2dB) genau, wenn auch nicht behördlich zulässig
<sarkasmus = "ein">

Oh jee... das war natürlich ein schwerer taktischer Fehler, falls Du gegen das Projekt straf- und zivilrechtlich vorgehen willst. Oder erwägst Du alternativ, eine Sammelklage zu organisieren?
Ich kann Dich aber absolut verstehen - mit Sound hab ich selbst nur am Rande etwas zu tun, aber als lebenslanger Fotograf hab ich auch immer einen Belichtungsmesser dabei, und wenn ich ins Theater gehe, wird als erstes die Bühne ausgemessen - und wehe der Kontrastumfang ist kleiner als 20 Blendenstufen, dann rappelts im Karton!

Humour, Orc, Orc, Orc. :twisted:

</sarkasmus>

Ich hab jetzt endlich Zeit gefunden, Bob zu fragen, mal schauen was er dazu meint. Aber viel verspreche ich mir nicht davon, außer daß Hamburg nicht gut gegangen ist, noch nie gut gegangen war und niemals gut gehen wird. Wie ich schon erwähnt hatte, dieses Phänomen haben wir seit 2003, und seit 2003 finden wir auch keine rationale Erklärung. Um in Bezug auf das Tour-Routing das Einstein-Zitat zu bemühen, ist es eine Definition von Geisteskrankheit, immer wieder das gleiche zu machen aber unterschiedliche Resultate zu erwarten, und die wirkliche Frage lautet, wann da jetzt endlich mal einer die Notbremse zieht und das scheinbar unvermeidliche akzeptiert. Wir haben (was das Ausmaß der Beschwerden betrifft) *nirgendwo* sonst in Europa auch nur ansatzweise diese Probleme, und in den Jahren, als Hamburger Publikum nach Bremen oder Hannover gefahren ist, gab es auch *dort* keine Probleme. Wir *wissen* nicht, was da immer und immer wieder schief läuft, aber ich betrachte es als für alle Beteiligten als zu schmerzhaft und frustrierend, es weiter herauszufinden.

Es gibt da 1-2 Pyramiden, wo die Archeologen immer kurz darauf sterben, nachdem sie drin waren, und keine Wutz jemals herausgefunden hat, warum, aber irgendwann geht man da halt einfach nicht mehr rein, und so wie ich das sehe, ist Hamburg für TMB einfach eine solche Pyramide... :egal:

Wenn ich was rausfinde, lasse ich es wissen, optimistisch bin ich diesbezüglich aber nicht.

PS: Ach so, hab mir den Rider vom Grünspan mal gezogen, Bühne ist 12m x 6,5m, das ist knapp die Hälfte der minimalen Fläche, die man für die "Lamb" Bühne braucht. Insofern also keine Option, und alle anderen Probleme würde das ja ohnehin auch nicht lösen.

In diesem Sinne, wir bedauern es, daß dieser Abend eine solche Enttäuschung war, aber wir können das leider nicht rückgängig machen - die primäre Absicht der Produktion ist es, Menschen Freude zu machen und nicht, sie wütend zu machen, aber wie der nicht-Kölner über Hamburg so treffend sagt: "Et kütt wie et kütt, un et hät noch immer schief gegange". :dunno:

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Ungelesener Beitrag von spocintosh » 10. Nov 2019, 16:10

Neeneenee, das war keine Enttäuschung. Und von "wütend" bin ich erst recht ganz weit entfernt. Ich dachte, das hätt ich schon klar gemacht. Aber zu einer vollständigen Beschreibung gehören nun mal auch die Dinge, die nicht so toll waren.

Die Irrationalität, es würde "irgendwie an Hamburg" liegen, mag ich aber nicht akzeptieren, immerhin besuche ich seit 1979 die meisten Konzerte genau hier.. Die Anzahl dürfte mittlerweile dreistellig sein und einen dergestaltigen "Hamburg-Effekt" kann ich mit großer Sicherheit nicht bestätigen. :D

In so eine Halle zu gehen, bedeutet einfach schon von vornherein, dass es *höchstwahrscheinlich* nicht doll wird, das kann jeder wissen, der mit Live-Sound zu tun hat. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Ein Eishockey-Stadion ist nun mal kein Ort für musikalische Events und kann es auch nie werden. Und dasselbe trifft auch auf die zu erreichende Stimmung zu. Insofern war das einfach 'n bisschen doof ausgesucht.
Dasselbe in der Musikhalle hätte in jeder Hinsicht problemlos funktioniert.

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Ungelesener Beitrag von MartinC » 14. Nov 2019, 18:21

So, ich kann derzeit Bob nicht erreichen, wobei ich mir da auch über die Drums keine große neue Erkenntnis erwartet hätte. Wenn die Tour rum ist sprech ich nochmal mit ihm, aber ich kenne ihn als exzellenten Musiker, und daß er nun ausgerechnet in Hamburg nicht sauber gespielt haben soll - das glaube ich erst, wenn ich es höre, Punkt.

Aber ich hab jetzt Antwort vom Chef der Bühnencrew, der das auch nochmal mit dem Soundmann besprochen hat. Ein paar der Infos sind dabei durchaus erhellend, in der Kurzfassung: Der Sound war problematisch, aber jetzt auch nicht schlimmer als auch schon.

Das erste akute Problem war, daß nur 600 Zuschauer da waren und damit das (verkleinerte) Auditorium ziemlich leer. Das hätte man zugegebenermaßen wissen können, und Hamburg gar nicht erst spielen - dazu komme ich am Ende dann auch nochmal. Aber das zweite und ganz wesentliche zusätzliche Problem war ein drastisches Lautstärke-Limit, das sie kurzfristig vor Ort via Hausrecht und unter Androhung horrender Strafzahlungen bekommen haben, und das die Möglichkeit, die akustischen Probleme auszugleichen, gewaltig beschränkt hat. Und bevor jetzt jemand Neunmalkluges "da muß man die Verträge vorher lesen" ruft - wir sind hier in Deutschland, und da ist bei Gesetzen und jedem Standard-Vertrag erstmal alles irgendwie und ganz allgemein "in der Regel" verboten, um es dann im Einzelfall doch zu erlauben. Oder zu verbieten...

Abgesehen davon betrachten TMB die Hamburger Show aber *nicht* als exorbitant schlecht im Sound, sondern nur als "das hätte besser sein können".

Die gemessenen und hier geposteten Werte mit dem Bild hab ich ihm übermittelt, und er ist davon nicht wirklich beeindruckt. Um irgendwie beurteilen zu können, ob (von ihnen unbemerkt, denn es ist ihnen nicht bewußt) mit den Subwoofern etwas nicht gestimmt haben sollte, bräuchten sie die Werte des kompletten Konzerts mit exakter Information, was zu welchem Zeitpunkt gemessen wurde - denn die Frequenzverteilung ist in einigen Passagen über einen längeren Zeitraum sehr unterschiedlich. Er benennt (nur als ein Beispiel) den lauten Jam bei "The Musical Box", wo generell überhaupt kein Low End im Vergleich zu anderen Passagen ist.

Dazu fällt mir jetzt noch selber eine kleine Geschichte ein. Bis vor etwa 4-5 Jahren war neben dem Mellotron ein weiteres wichtiges Instrument nicht so ganz 100% authentisch, und zwar die Bass Pedals von Mike Rutherford. Das Original war verschollen und Rutherford hatte auch nur noch vage Erinnerungen daran. Sebastien verwendete dann ein Moog Taurus und versuchte es mit allen Tricks korrekt klingen zu lassen. Aber er hatte ja den Vergleich zu den Studio-Masterbändern, die TMB von Genesis zur Verfügung gestellt wurden, und wo man die Pedale separat und einzeln klar hören konnte - und der Moog Taurus klang in jeder Hinsicht "zu edel". Dann, schließlich, fand er ein Originalexemplar, es war der Dewtron "Mister Bassman", der ursprünglich als Bausatz verkauft worden war. Klanglich ist das Ding ein Erlebnis, es produziert eine Kombination aus quasi rohen Sinuskurven und klingt exakt so, wie es von Anbeginn hätte sein sollen und man es auf den Studiobändern hört. Nun, wenn *das* Ding nun auf "11" losröhrt und der Rest der Instrumente punktuell auch eher kopflastig ist, dann ist der Keller im Frequenzband halt per Definition ziemlich leer.

Der langen Rede kurzer Sinn - Hamburg war, klanglich, auf der schwächeren Hälfte der Tour, was allen Beteiligten sehr leid tut, aber die eigentliche Ursache für Dein verheerendes Urteil sehe ich weiterhin (und nun abschließend) in dem fatalen Dreier: Die falsche Person, zur falschen Zeit, am falschen Ort.

Was nun Hamburg betrifft - das ist *schon* ein Faktor. Deutschland hat sehr unterschiedliche Landstriche, unterschiedliche Mentalitäten und unterschiedliche Ansprüche. Ich bin mit ein paar Kleinkünstlern befreundet, die in bestimmten Landstrichen sehr willkommen sind, die aber in bestimmten anderen Landstrichen gar nicht mehr auftreten - weil es einfach nutzlos ist, und beiden (den Künstlern wie dem Publikum) nichts als Verdruß bringt. Wenn man aus einer solchen Gegend kommt, kann man dann natürlich die Finger in die Ohren stecken, "Lol-Lol-Lol" singen und behaupten, das könne gar nicht sein, aber das ändert nichts an der normativen Kraft des Faktischen.

TMB haben in Hallen gespielt, die weitaus fürchterlicher als das ColorLine sind - ich denke mit Grausen an die Phoenixhalle in Mainz. Das ist die schlimmste Halle, die ich kenne, und keines der 6-7 anderen Konzerte, die ich dort über die Jahre hören mußte, hatte auch nur irgendwie akzeptablen Sound. Auch nicht TMB, und das haben *alle* Zuschauer gehört, und auch *alle* Zuschauer danach gesagt. Aber es hat niemand "gekotzt", bzw. behauptet, kotzen zu müssen.

Aktuell auf dieser Tour muß wohl auch München schlimm gewesen sein, Sound extrem verhallt, und dann ist ihnen - in Europa exakt zum zweiten Mal seit 2003 - mitten im Konzert die Steinzeit-Gitarrenanlage mit allen Steinzeit-Effektgeräten komplett hochgegangen, was dann nicht, wie sonst, im laufenden Betrieb während des Konzerts gefixt werden konnte. Dadurch mußte das Konzert für 20 Minuten unterbrochen werden, und natürlich ruiniert das fürs Publikum gewaltig den Spaß. Aber so richtig beschwert hat sich überraschenderweise kaum jemand - das Konzert wurde freundlich aufgenommen, und die Defizite mit einem "das war halt nicht so optimal" weggesteckt. Ökonomisch ist TMB in München nicht sehr erfolgreich, aber das Publikum mag sie.

Nun, niemand ist verpflichtet, das auch so sportlich zu sehen, aber es *gibt* da nun mal Unterschiede, und die sehen so aus, daß das Hamburger Publikum - Jahr für Jahr seit 2003 - unisono andere Ansprüche hat, als andere Regionen. Nirgendwo sonst wird so häufig, so heftig, und so aktiv geschimpft, und dann muß man nach 16 Jahren halt irgendwann zu dem Schluß kommen. TMB (als Produktion) und Hamburg werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr werden. Zum Glück habe ich da aber zu diesem Aspekt überhaupt nichts zu entscheiden, und insofern ist es wurscht, was ich denke... :kicher:

Und noch ein allerletztes von meiner Seite: Es gibt historische Dampfeisenbahnen, und in dieser Metapher sind TMB quasi eine historische Dampfeisenbahn, wo der Lokomotivführer und der Schaffner nicht nur eine historische alte Uniform tragen, sondern sogar auch noch die Trillerpfeife und die Mütze des Heizers, die die Fahrgäste gar nicht sehen können, Originaleemplare sind. Gegen eine solche Eisenbahn kann man - legitim - eine Menge vorbringen. Die Greta Thunberg Fraktion kann einwenden, daß die Bahn Unmengen CO2, Stickoxide und Feinstaub ausbläst und die Fahrgäste sollen sich gefälligst lieber alle einen Tesla kaufen, der von ganz allein fährt und hinten reinen Sauerstoff ausbläst. Oder die Michael Schumacher Fraktion kann einwenden, daß die Bahn viel zu langsam fährt und man, wenn man von A nach B kommen will, doch lieber die japanische Maglev nimmt. Das ist *beides* legitim, geht aber komplett am Thema vorbei, und wenn sich diese Leute beschweren, dann muß man ihnen halt auch freundlich - und ganz und gar in ihrem Sinne - sagen, daß sie die falschen Fahrgäste, zur falschen Zeit, am falschen Ort waren... :coffee:

Letzte Woche hab ich Nursery Cryme wiedergesehen, die außerhalb ihrer Saison etwas underrehearsed (und nicht ganz so gutem Sound...) gespielt haben, aber erneut eine helle Freude waren. Insofern bleibe ich auch hier bei meinem Ratschlag, wenn man mit dem Konzept von TMB hadert, lieber (Tip an die Gattin) Ausschau nach anderen Bands zu halten - die ich alle drei ausdrücklich empfehlen kann:

Carpet Crawlers (die pausieren zur Zeit)
Nursery Cryme
The Path Of Genesis

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