Gala - März 2023

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Stuntman_Dan
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Gala - März 2023

Ungelesener Beitrag von Stuntman_Dan »

Hallo zusammen,

am 2. März 2023 ist in der Gala wieder ein längeres Interview mit Mylène erschienen.
Diesmal war es allerdings etwas schwieriger da heranzukommen, da die Gala nur einen kleinen Teil des Interviews online gestellt hat.
Ich habe mir also die Printausgabe besorgt, das ganze Dingens abgetippt und dann übersetzt (zumindest versucht). :kicher:

Also dann, here it goes... viel Spaß dabei! :)


Der Countdown läuft. Nicht der einer Sonnenfinsternis. Der einer Feuersbrunst. Am 3. Juni 2023 startet Mylène Farmer ihre achte Tour, die auf den Namen Nevermore 2023 getauft wurde. Wir sind zu ihr hinauf gestiegen. Exklusivinterview. Lichtblitze. Und Leben.

Rotes Cape, weißes Pferd, Spukschloss. . . Mylène Farmer kehrt, in dem von der Schauspielerin und Regisseurin Mélanie Laurent gedrehten Clip zu ihrem neuen Titel Rallumer les étoiles, „nach Hause“ zurück. Dieses Glaubensbekenntnis an das Leben, rhythmisch, pulsiert von den Elektro-Loops des New Yorker Komponisten Moby, prägte bereits die Dämmerungswelt von L’Emprise, dem zwölften Album der Sängerin, das im Dezember erschien und bereits über 150.000 mal verkauft wurde.
Ihre Bildsprache ist eine weitere Überraschung. Denn dies ist erst die zweite Zusammenarbeit von Mylène mit einer anderen Frau für ein Video. Denn die Geister der Vergangenheit – ihr Großvater, der Bildhauer, ihre Kindheit, ihre Liebeskämpfe – werden dort in einem für die Künstlerin ungewöhnlichen freudigen Exorzismus beschworen. Erinnerung ist nicht länger ein Gewicht, ein Sack voll Asche. Sie kann der Treibstoff für neue Impulse sein.
Mylène, die 2019 auf der Bühne in den Flammen entschwand, entfacht ihr heiliges Feuer neu, wenn am 3. Juni ihre neue Stadiontournee in Lille eröffnet wird. Mehr als 550.000 verkaufte Tickets, sieben von dreizehn Stadien ausverkauft, darunter zweimal Stade de France. Dort fand Ende Februar ein Scouting zur Optimierung einer dantesken Szenografie statt (90 Sattelschlepper werden die Show nach Frankreich, in die Schweiz und nach Belgien transportieren). Die Proben haben bereits begonnen. Mylènes Form und muskulöse Explosivität blasen immer noch ihren strengen Schutzschild um. Die Show wird kein gemütlicher Spaziergang in einem Wiener Garten, versprochen. Die Frau ist bewaffnet mit ihrer Diskographie, ihrem Bühnen-Know-how, Vestalin* und Kriegerin zugleich. Die Gelegenheit, sie zu befragen, ganz Feuer, ganz Flammen, darüber, was in ihr weiter brennt. Und der hellere von beiden ist…

Gala: Rallumer les étoiles ist Ihr neuer Titel. Drei Monate vor dem Start Ihrer Nevermore 2023-Tour, wie sehr glühen Sie schon?

Mylène Farmer: Wenn ich darüber nachdenke… habe ich manchmal Atemnot. Oft sogar. Aber die Erinnerung an die Magie der Bühne, an die Gemeinschaft mit dem Publikum, gibt mir wieder Atem und beruhigt mich. Es ist etwas Heiliges. Worte erklären es nicht. Glühen… Schöne Formulierung. Es ist natürlich eine sehr intensive Zeit. Da ist die physische Vorbereitung, die künstlerischen und technischen Meetings, das Einstudieren der Choreografien… Ich bin konzentriert, mit Liebe zum Detail in allen Bereichen. Um nie zu vergessen, dass man in der Weite eines Stadions Intimität schaffen kann.

Gala: Die Worte „die Jahre wieder zum Leben erwecken“ faszinieren mich. Ist es eine Hingabe an Erinnerungen, die Sie auf Distanz halten, oder eine Verweigerung des Niedergangs, des Verhängnisvollen?

Mylène Farmer: Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Man muss den Jahren Leben hinzufügen, nicht dem Leben Jahre. “ Es ist ein Mantra, um daran zu erinnern, dass nur ein erfülltes Leben der vergehenden Zeit einen Sinn geben kann. Das Leben ist nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie ist vor allem ein Kampf gegen ihre eigene Müdigkeit. Mir scheint, dass Müdigkeit, mehr als die Anzahl der Jahre, ein Zeichen für den Zeitverschleiß ist.

Gala: Beim Clip von Rallumer les étoiles hat Mélanie Laurent Regie geführt. Sie streifen hier verschiedene Altersstufen von Ihnen. Man sieht Sie hier auch lächelnder, verspielter. Ist der Blick einer Frau auf Sie befreiender, unbefangener als der eines Mannes?

Mylène Farmer: Mélanie ist zärtlich, mitfühlend. Mir gefällt, wie sie das Leben als eine ständige Bewegung ansieht. Sie kennt die Bedeutung eines verstohlenen Blicks, zweier Hände, die sich streifen, was mehr über das Wesen aussagt als alle Worte. Sie zeigt das Wesentliche hinter den Kulissen. Sie ist eine Frau, die das Leben ohne Urteil, mit Wohlwollen umarmt.

Gala: Welche Frauen bewundern oder faszinieren Sie persönlich?

Mylène Farmer: Die Schriftstellerin Virginia Woolf. Sie führte ihr Leben so, wie sie es wollte und lud alle Frauen ein, dasselbe zu tun. Viele Frauen mussten damals ein männliches Pseudonym verwenden, um von einem Verlag veröffentlicht zu werden. Die Sitten haben sich zum Glück geändert. Aber Virginia Woolfs Denkweise ist nach wie vor aktuell.

Gala: Sie sprechen wenig, Sie zeigen sich selten. Welche Beziehung haben Sie zur Verführung?

Mylène Farmer: Verführung ist ein Zauber. Eine Möglichkeit, Macht über den anderen auszuüben, indem man nur eine ausgewählte Facette seiner Persönlichkeit zeigt. Das Spiel der Verführung hat, streng genommen, keine Wirkung auf mich. Ich bin viel sensibler für Momente der Authentizität. Auf Fehler, Ungeschicklichkeit, zufällige Blicke und Gesten, die das Gedächtnis wie ein überwältigendes Parfüm durchdringen. Ich mag Einfachheit, Schüchternheit, Ehrgeiz, Tapferkeit. Den Humor. Die Stimmung. Alles, was das Wesen unberechenbar und anziehend macht.

Gala: Ist die Bühne ein Raum der Verlassenheit, ungezügelter Sinnlichkeit oder extremer Kontrolle?

Mylène Farmer: Sie erfordert Anspruch, Koordination, Vorbereitung. Damit, wenn die Zeit gekommen ist, alles zusammenpasst und dem Vergnügen, der Freiheit Raum gelassen wird. In dem Moment, in dem wir uns unterhalten, bin ich erst bei der ersten Etappe!

Gala: Auf Ihrem Karrierelevel muss man sehr diszipliniert sein. Wie ist Ihre Erfahrung von Vergnügen, Sinnlichkeit, im Alltag?

Mylène Farmer: Allgemein ist Disziplin nicht meine Stärke. Aber während dieser Zeit vor den Bühnenshows werde ich besser. Menschen helfen mir und begleiten mich in jedem Bereich. Ich liebe diese Arbeit des Entwerfens und Teilens. Im Alltag. . . Das ist mein geheimer Garten! Sich im Gras unter die Bäume zu legen, kann eine dieser sinnlichen Freuden sein.

Gala: Kind-Frau, androgyne Frau, Femme fatale. . . Kann man von einer Evolution Ihrer Weiblichkeit sprechen oder existieren all diese Facetten weiterhin nebeneinander?

Mylène Farmer: Wie alle Frauen bin ich eine Mischung aus all diesen Facetten der Weiblichkeit. Das hängt von den Tagen oder sogar Stunden ab! Frauen sind komplex und Weiblichkeit ist ein Mysterium. . . (Lächelt.)

Gala: Könnten Sie sich das Haar wieder kurz schneiden lassen, wie in den 90er Jahren?

Mylène Farmer: Aus einer Laune heraus ist alles möglich, ja… (Lacht.)

Gala: Es hat schon etwas ziemlich „Männliches“, wie Sie seit vierzig Jahren Ihrer Karriere nachgehen, ein ganzes Team in einen kreativen Prozess einzubeziehen oder gar mit Ihrem Umfeld zu interagieren…

Mylène Farmer: Ich glaube nicht, dass es das Privileg von Männern ist, andere davon zu überzeugen, seinen Träumen zu folgen. Frauen inspirieren vielleicht mehr als sie führen. Aber solange man andere dazu bringt, Sie begleiten zu wollen, ist das Ergebnis dasselbe.

Gala: Man hält Sie für zerbrechlich. Aber ich kann mir vorstellen, dass Sie sich zum Beispiel mit dem Oger Gérard Depardieu sehr wohl fühlen…

Mylène Farmer: Das ist eine lustige Idee. Aber Sie haben wahrscheinlich Recht. Was für ein aufregender Mann! Er ist ein großartiger Schauspieler, der ebenso sensibel wie impulsiv ist, wie es scheint. Ich bin dem „Oger Gérard Depardieu“ begegnet, wie Sie ihn nennen. Er ist sehr warmherzig und immer hilfsbereit. Aber. . . wer hat gesagt, dass ich zerbrechlich bin?

Gala: Von was können Sie nicht genug bekommen?

Mylène Farmer: Von Wundern, von dem, was den Alltag außergewöhnlich macht. Eine Begegnung, ein Buch, ein Film… Meine Tiere natürlich.

Gala: Trauen Sie sich mir Ihren Lieblings-Fluch zu verraten?

Mylène Farmer: What the f. . . ! Er kommt mir oft in den Sinn, wenn ich Verhaltensweisen sehe, die ich absurd oder irritierend finde.

Gala: Lassen wir mal Dampf ab. Nennen Sie mir alles, was Sie an Anderen inakzeptabel finden.

Mylène Farmer: Feigheit, Falschheit, Habgier, Grausamkeit, Respektlosigkeit, Vulgarität. . .

Gala: Umgekehrt, was schätzen Sie?

Mylène Farmer: Alles andere. Naja fast! Aufrichtigkeit, Demut, Freundlichkeit...

Gala: Am 8. März feiern wir den Tag der Frauenrechte. Welches Recht fordern Sie persönlich?

Mylène Famer: Warum nicht das Recht, das ganze Jahr über die Rechte der Frauen zu feiern? Ich plädiere auch für den Welttag der Poesie. Auch der findet, glaube ich, im März statt (am 21. März, Anm. d. Red.).

Gala: „Natürlich habe ich einige Idioten** gesehen“, haben Sie gesungen. Finden Sie, dass es mehr Idioten gibt als früher?

Mylène Farmer: (Lacht.) Kein Zweifel! Aber sind wir nicht alle immer der Idiot des anderen?

Gala: Wie schützt man sich vor Idioten?

Mylène Farmer: Wahrscheinlich indem man sie ignoriert. Indem man seine Freunde nahe bei sich hält und seine Feinde noch näher...

Gala: "Kein Bedauern der Vergangenheit", singen Sie in Rallumer les étoiles. Aber blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft?

Mylène Farmer: Ich habe natürlich Angst davor. Aber ich vertraue auf den Überlebensinstinkt. Mehr als auf die Vernunft. Schließlich braucht die Menschheit Widrigkeiten, um voranzukommen. Sie überlebte immer die grausamsten Momente ihrer Geschichte. Sie ist wie ein Bach, der am Ende immer eine Furche findet, um seinen Weg fortzusetzen.

Gala: „I feel love“, hört man Crescendo im Song. Ist das ein Statement oder ein Gebet?

Mylène Farmer: Die Entscheidung liegt bei Ihnen. (Lächelt.) Auf jeden Fall ist es wichtig.

Gala: Eine ganze Generation von Künstlern erinnert an Ihren Einfluss: schöne Hommage oder Trauerrede?

Mylène Farmer: Weder das eine noch das andere, hoffe ich. . . Eine Inspiration, vielleicht? Ich weiß es nicht. Wir sollten sie fragen. Aber die Idee der Übertragung berührt mich sehr.

Gala: Am Ende des Clips von Rallumer les étoiles steigen Sie von einem weißen Pferd ab, das Sie trug. Das ist die schreckliche rituelle Frage: Nach der Tournee Nevermore 2023, wo werden Sie sein?

Mylène Farmer: Zu Hause? Ruhen. . . Oder nicht. . . Auf der Suche nach dem nächsten Wildpferd am Horizont. (Lächelt.)

*Vestalinnen waren römische Priesterinnen, die das Herdfeuer in ihrem Tempel hüteten. Sie waren auch für die Reinhaltung des Tempels zuständig und zur Keuschheit verpflichtet.

**Im Original lautet der Begriff „le con“. Dieses Schimpfwort kann auf mannigfaltige Weise übersetzt werden. Ich habe mich hier für die harmloseste Variante entschieden. :kicher:
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Gala - März 2023

Ungelesener Beitrag von imagine »

Und ich hab schon gedacht, dass ich zu blöd bin das Interview zu finden :kicher: .

Danke für's übersetzen 😊.
Plus loin plus haut... j’atteins mon astre...
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