Eurovision Song Contest

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Stuntman_Dan
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Ungelesener Beitrag von Stuntman_Dan »

Über den deutschen Beitrag habe ich mit Absicht den Mantel des Schweigens gebreitet...stimme euch da voll und ganz zu :kicher:

Neben Frankreich fand ich auch Island ganz gut. Italien war jetzt persönlich nicht so meins, aber im Großen und Ganzen schon ne verdiente Nummer.


Le monde est triste sans imagination
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THomasHH
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Ungelesener Beitrag von THomasHH »

imagine hat geschrieben: 23. Mai 2021, 18:57 Was mich in der Tat überrascht hat war, dass es dafür gleich vier mal null Publikumspunkte gab
Das hatte ich im Gruppenchat mit meinen Freunden dann auch als „Todesurteile des Pöbel“ bezeichnet :kicher:
Ich bin willensstark und trotzdem schwach, eigensinnig und trotzdem Team-fähig, gefühlvoll und trotzdem kühl, tolerant und trotzdem egoistisch, depressiv und trotzdem voller Lebensfreude...
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MartinC
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Ungelesener Beitrag von MartinC »

Zunächst einmal ist es sehr unklar, wer und was die Jurys sind und wie sie genau operieren. Jedes Land legt sie nach eigenem Gusto fest, und da gibt es dann im einen Land eine Horde Hipster und ein paar Kilometer weiter über der Grenze eine Abordnung der Kulturbeauftragten der Regierung.

Und das ist gar keine Kritik daran, man hat ja die Jurys absichtlich wieder zu 50% eingeführt, um die Defizite des reinen Televotings auszugleichen, und bei ca. 40 Teilnehmerstaaten kompensieren sich auch die unterschiedlichen Jury-Ansätze.

Was den angesprochenen Effekt mit den viermal Null Punkte angeht, muß man sich aber einfach klarmachen, daß die Jurys in jedem Fall einen völlig anderen Ansatz haben, als das Publikum - und insofern ist es auch unfair, dem Publikum einen Vorsatz zu unterstellen. Die Jurys haben das Gesamtfeld im Blick, das Publikum nur einen Song.

Es ist völlig unklar, ob (alle) Jurys geheim abstimmen, oder sich auf eine Rangliste einigen. Aber selbst wenn sie untereinander geheim punkten, dann besprechen sie im Vorfeld alle Teilnehmer. Das ergibt immer, daß man sich an einer gewissen (hust) Diversität orientiert. Man will ja z.B. nicht einseitig nur alle Ostblock-Shakiras wählen, sondern man sucht sich eine ("die beste") aus, und wenn man sich im Gespräch darauf geeinigt hat, daß die Shakira von X "besser" ist als die Shakira von Y, dann ist es keine Überraschung, wenn die dann alle auch geheim wählen.

Wer das Interview mit den beiden deutschen Juroren gehört hat: Da wurde offen bestätigt, daß (und was) sich die deutsche Jury bei ihren Punkten "gedacht" hat.

Natürlich werden von den Jurys viele Songs "aus Prinzip" gewählt. Belgien z.B., die nur von ihnen viele Punkte bekommen haben. Die einzige richtige "Indie Band" aus den alten Kern-EU-Ländern, mit einem Vortrag mit Understatement, optisch schlicht ohne Mätzchen, das sticht heraus, das ist bemerkenswert, sowas muß man ja würdigen. Daß das Lied keine Melodie hat und eine Minute nach dem Ende wieder komplett aus der Erinnerung verschwindet... kleines Manko, aber das ändert nichts daran, daß ein Jury Votum so etwas würdigen sollte. Oder auch Malta, das war zugegebenermaßen gleich in mindestens drei Aspekten politisch korrekt. Was für eine Schande wäre das, wenn man die einzige Jury wäre, die da nicht gut Punkte vergibt.

Und wenn man in Österreich sitzt und im Sommer unbedingt Touristen braucht, wie würde das aussehen, wenn Deutschland keine Punkte... honi soit qui mal y pense. :kicher:

Für die Zuschauer ergibt sich aber eine völlig andere Situation - selbst wenn man es zusammen schaut (Auh weh Zwick, wir machen uns strafbar) und die Songs bespricht - man meldet ja keine Skala von 1-8+10+12 Punkten, die *alles* repräsentieren sollen, sondern man meldet nur genau 1 Lied, das einem am allerbesten gefällt!

Das hat nichts damit zu tun, daß man die anderen 25 Lieder in irgendeine Tonne treten wollte, aber wenn man jetzt von Italien, oder Frankreich, oder meinetwegen sogar von Litauen so begeistert war, daß man für *dieses* Lied anruft, dann kann Belgien "prinzipiell" so bemerkenswert und Malta so politisch korrekt sein, wie es will, dann ruft man eben für Italien oder Frankreich oder Litauen an.

Und dann ist es völlig normal, daß die Songs im unteren Drittel unter die Schwelle fallen und auch viel öfter auf Null abreißen, denn dieses Prinzip (Zuschauer) polarisiert die Ergebnisse viel mehr. Ich hatte das früher schon mal gesagt: Wenn ein Land X dreimal 12 Punkte bekommt aber in allen anderen 37 Ländern komplett auf dem letzten Platz landet, dann bekommt es 36 Punkte und ist im unteren Mittelfeld. Wenn ein anderes Land Y aber in *allen* 40 Ländern auf Platz 11 kommt... dann hat es Null Punkte und landet in der Tonne und nicht auf Platz 11. Simply Math. :gruebel:

Das würde anders aussehen, wenn man (kleine) Punkte bis zum letzten Platz vergibt, so wie z.B. im alpinen Weltcup mit Punkte bis Platz 30. Dann würden sich die Krümel am unteren Rand durchaus auch stärker aufschaukeln - aber wenn man nur die ersten 10 Plätze bepunktet, dann bleibt eine Menge bei Null hängen. Und - das ist (für einen Wettbewerb wie diesen) auch gut so.
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THomasHH
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Ungelesener Beitrag von THomasHH »

MartinC hat geschrieben: 24. Mai 2021, 10:10 Was den angesprochenen Effekt mit den viermal Null Punkte angeht, muß man sich aber einfach klarmachen, daß die Jurys in jedem Fall einen völlig anderen Ansatz haben, als das Publikum - und insofern ist es auch unfair, dem Publikum einen Vorsatz zu unterstellen. Die Jurys haben das Gesamtfeld im Blick, das Publikum nur einen Song.
Nur für den Fall, dass evtl. mein Beitrag missverständlich war.
Ich habe es sogar begrüßt, dass das Publikum (aka der Pöbel :kicher: ) die richtig schlechten Lieder entsprechend abgestraft hat. Diese Songs haben in meinen Augen/Ohren überhaupt keine Punkte verdient! Ergo: Todesurteil. ;)

Und ich finde das Prinzip der 50/50%-Teilung der Stimmen aus Jurys und Publikum sogar sehr gut.
Auch wie jetzt die Punkte vergeben werden, dass erst die Jury-Punkte verkündet werden und das dann durch die Stimmen des Publikums teilweise völlig auf den Kopf gestellt werden kann.
Ich hoffe wirklich, dass sie das so beibehalten.

Denn eines zeigt dieses Prinzip nämlich auf:
Dass diese Fachleute manchmal völlig am Geschmack der eigentlichen Zielgruppe (dem Pöbel) vorbeigehen. Das zeigen ja auch immer wieder diverse Fehlentscheidungen der Manager, egal ob in der Musikindustrie oder der Film- und TV-Industrie.

Das Televoting ist der ausgleichende Faktor, der in der Anfangszeit, als es nur die Jurys gab, fehlte. Und umgekehrt genauso, als es zeitweise nur das Televoting gab.
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Ungelesener Beitrag von MartinC »

Sorry, hatte ich auch gar nicht so aufgefasst... ;)

Ich meinte auch sogar den ganz allgemeinen Effekt, bei singulären Votings am Ende einen Plan zu unterstellen, den es gar nicht geben kann. Das haben wir ja bei allen Wahlen, alle Leute wählen jeweils genau *eine* einzige Partei, und wenn dann am Ende drei Parteien eine Regierung bilden, dann interpretiert man das als "der Wähler hat gewollt, daß...". Tatsächlich hat "der Wähler" gar nichts davon gewollt, er hat nur eine Partei gewählt, und weder die anderen noch eine bestimmte Kombination von ihnen.
THomasHH hat geschrieben: 24. Mai 2021, 10:50 das Publikum (aka der Pöbel :kicher: ) die richtig schlechten Lieder entsprechend abgestraft hat
Tatsächlich nicht nur die... der Kern meines Beispiels ist, man muß sich darüber im Klaren sein, daß der ESC-Modus mit den 12 Punkten vor allem Mittelmaß bestraft, und gar nicht mal immer die schlechtesten Lieder.

Alles unter Platz 10 fällt durch das Raster. Ein ordentliches aber mittelmäßiges Lied, das einfach nur ein wenig langweilig ist, nicht im Ohr bleibt und allgemein in die Kategorie "stört die Hausfrau nicht beim Bügeln" (diese ausdrucksstarke Metapher verdanken wir Dieter Bohlen :kicher: ) fällt, läuft eine viel größere Gefahr, mit Null Punkten zu enden, als ein polarisierender Krawall.

Ein richtig schlechtes Lied, das aber brutal Alarm macht und bei ein paar Ländern (aus welchen Gründen auch immer) in die Top 10 rutscht, obwohl es überall sonst völlig durchfällt, wird am Ende erfolgreicher sein.

Spanien, England und Niederlande waren nun nicht gut, aber gewiss nichts, das irgendjemand wirklich bewußt ins Klo geschüttet hätte. Aber sie waren belanglos und es ist absolut nachvollziehbar, daß europaweit kaum jemand gesagt hat: Das ist mein absolutes Lieblingslied und dafür muß ich jetzt unbedingt als einziges Lied anrufen.

Insofern ist der ESC ein ironischer Kontrapunkt zu seiner eigenen Ideologie... Ideologie: "Wir sind alle gleich, wir sind alle divers, jeder ist gleich viel wert, alles ist gleich viel wichtig, keiner ist besser oder schlechter". Wettbewerbsmodus: "Wir filtern gnadenlos alles Mittelmäßige aus und heben das Polarisierende auf den Thron". :coffee:
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imagine
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Ungelesener Beitrag von imagine »

So tief wollte ich mit der Anmerkung gar nicht gehen :D . Dass es Beiträge gibt, welche beim Zuschauern aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ankommen, ist doch ganz normal. Letztendlich zeigt die getrennte Bewertung von Jury und Televoting ja genau das und hat es diesmal auch so extrem spannend gemacht.

Den Unterschied am Ende der Liste fand ich aber dieses Mal so überraschend. Denn ich hab - abgesehen vom deutschen Beitrag, den eine bekannte mit "Der Kindergarten steht auf der Bühne" kommentiert hat :kicher: - nicht damit gerechnet, dass das UK (zumindest 1 Punkt aus Irland wäre sicherlich drin gewesen), die Niederlande und Spanien so abloosen. Insbesondere Spanien fand ich dieses Jahr viel besser als viele Beiträge der letzten Jahre.

Offiziell kann man ja seit einigen Jahren zwanzigmal voten. Das hat sich bei mir auf Italien, Finnland, Frankreich, Island und noch was verteilt.
Plus loin plus haut... j’atteins mon astre...
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THomasHH
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Ja, ich hatte auch meinen Top-5 jeweils eine Stimme gegeben und kurz vor Toresschluss noch einmal meinen beiden Top-Favoriten je eine Stimme.
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